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Kreislaufwirtschaft in Muri bei Bern

Die Gemeinde Muri bei Bern im Kanton Bern zeigt eindrucksvoll, wie Kreislaufwirtschaft auf kommunaler Ebene gelebt werden kann. Im Rahmen einer initialen Reffnet-Potenzialanalyse wurden gezielte Massnahmen entwickelt, um Ressourcen effizienter zu nutzen und die Umwelt nachhaltig zu schonen. Beim Projekt «Umrüstung der öffentlichen Strassenbeleuchtung auf LED / Sanierung öffentliche Beleuchtung» steht das Leitmotiv «Erhalten statt Ersetzen» im Mittelpunkt – ein Beispiel dafür, wie engagiertes Handeln vorhandenen Werten neues Leben verleiht und wie die Nachhaltigkeitsbestrebungen der Gemeinde, beispielsweise Klima- und Energiestrategie, Beschaffungsweisung, mit Massnahmen untermauert werden.

Mit Rückenwind vom Schweizerischen Gemeindeverband

Hintergrund bildet das Pilotprojekt «Ressourceneffizienz & Zirkularität in Gemeinden» (Projekt RZG) des Schweizerischen Gemeindeverbands (SGV). Im Kontext des BAFU-Programms «Reffnet» möchte der SGV das Thema Nachhaltigkeit in Gemeinden stärken. Zu diesem Zweck sollten mit ausgewählten Gemeinden effizienzsteigernde und zirkuläre Potenziale für Unternehmen sowie Einwohnerinnen und Einwohner analysiert und priorisiert werden.

Strassenbeleuchtung wiederverwenden und erneuern

Im Zuge der Reffnet-Beratung im Jahr 2021 wurden unter dem Gesichtspunkt von Ressourceneffizienz und Umweltschonung zirkuläre Ansätze identifiziert – mit Erfolg: Seit 2024 und noch bis 2026 realisiert die Gemeinde das Projekt «Umrüstung der öffentlichen Strassenbeleuchtung auf LED». Damit könnten laut Planung rund 330 Millionen Umweltbelastungspunkte (UBP) vermieden und 168 Tonnen CO₂ eingespart werden.

Auf dem gesamten Gemeindegebiet von Muri bei Bern werden die bestehenden Strassenleuchten durch stromsparende LED-Leuchten ersetzt. Rund 90% der Kandelaber können weiterverwendet werden, nur 10% müssen komplett erneuert werden. Gleichzeitig rüstet die Gemeinde über 1'000 Leuchtpunkte mit moderner LED-Technologie und mit Bewegungssensoren aus. Die Strassenbeleuchtung leuchtet künftig nur dann in voller Stärke, wenn sie tatsächlich benötigt wird. Dadurch sinkt der Stromverbrauch um bis zu 90%, und auch die für Mensch, Tier und Flora schädlichen Lichtemissionen werden deutlich reduziert. Alle Leuchten kommen in warmweissem, insektenfreundlichem Licht zum Einsatz.

Die Sanierung und Wiederverwendung der Kandelaber schont sowohl wertvolle Ressourcen als auch das Gemeindebudget: Im Vergleich zu einem vollständigen Neubau spart Muri bei Bern  geschätzt rund 290'000 CHF.

Fakten

  • 1'226 Leuchten werden ersetzt, darunter 64 Sonderleuchten (Unterführungen, Poller, Strahler etc.).
  • Bei 222 Leuchten ersetzt warmes LED-Licht (2'200 Kelvin) das bislang kalte (4'000 Kelvin).
  • 1'566 Steuerkomponenten werden für ein optimiertes Lichtmanagement installiert.
  • 180 Kandelaber werden am bestehenden Mast saniert.
  • 103 Kandelaber werden in ihrer Höhe angepasst, um die Ausleuchtung zu optimieren.
  • 89 Kandelaber-Fundamente werden repariert, ersetzt oder neu erstellt.
Gesamtübersichtsplan (© Gemeinde Muri)

Gesamtübersichtsplan (© Gemeinde Muri)

Potenzialanalyse durch Reffnet

In der Reffnet-Beratung hat die Gemeinde Muri bei Bern – unterstützt vom Reffnet-Experten Philipp Rufer – eine fundierte Potenzialanalyse durchgeführt und darauf aufbauend einen Massnahmenplan mit abgeschätzter Umweltwirkung erarbeitet. Im Auftakt-Workshop vermittelte Rufer die Notwendigkeit sowie Prinzipien einer Kreislaufwirtschaft und analysierte mit den Gemeindevertreterinnen und -vertretern die Ressourcennutzung auf dem Gemeindegebiet. Anschliessend identifizierten die Teilnehmenden zirkuläre Lösungsansätze in den Gemeindebetrieben, woraus zahlreiche mögliche Aktivitäten in Bereichen wie Strassenbau, Hochbau oder Baumaterialien entstanden.

Aus dieser Ideensammlung wurden drei Vorhaben ausgewählt und als Projektskizzen vertieft ausgearbeitet, inklusive Bewertung ihrer Umweltwirkung in Form einer Ökobilanzierung. Grundlage dafür bildet die vom Bundesamt für Umwelt BAFU entwickelte Methode der ökologischen Knappheit, bei der die Wirkung der Massnahmen in Umweltbelastungspunkten und CO2-Äquivalenten dargestellt wird. 

Ausgewählte Massnahmen:

  1. Sanierung der öffentlichen Beleuchtung mit Aufbereitung der Strassenlaternen (maintain) und Modernisierung (refurbish)àProjekt «Umrüstung der öffentlichen Strassenbeleuchtung auf LED / Sanierung öffentliche Beleuchtung»
  2. Zirkularität am Bau bei Gemeindeprojekten: Im Tiefbau wird der Einsatz von Recycling- Asphalt geprüft und Bauteile wie Randsteine werden soweit möglich wiederverwendet. à Der Einbau von Recycling-Asphalt wird heute standardmässig umgesetzt (maximal möglicher Anteil). Ausserdem wurde eine Teststrecke mit wiederverwendeten Strassenrandsteinen realisiert.
  3. Erhaltung von Gebäudeinventar: Mobiliar wird, wenn immer möglich, nicht ersetzt, sondern repariert, aufbereitet und erneut genutzt.
    à Diese Massnahme wurde beispielsweise bei der Sanierung des Gemeindehauses bereits umgesetzt.

Bildnachweis

Teaserbild: Mettlenkreisel in Muri bei Bern ©Alexander Egger, Bern

Allgemeine Informationen zum Projekt

Erfolge

Wiederverwendungsquote: rund 90% Wiederverwendung und Aufbereitung der Kandelaber, 10% Ersatz

Energieeinsparungen: bis 90%

Kosteneinsparungen: geschätzt ca. 290'000 CHF

Geplante Umweltwirkung: Einsparung von 330 Mio. UBP, 168 t CO2e 

Jahr
2024 - 2026
Ort
Muri bei Bern
Effekte

Über die reine Wiederverwendung der Kandelaber hinaus erzielt das Projekt weitere positive Effekte:

Die flächendeckende Umstellung auf intelligente LED-Technik trägt dazu bei, bis zu 90% des Elektrizitätsbedarfs für Strassenbeleuchtung einzusparen.

Durch den Korrosionsschutz verlängert sich die Lebensdauer der Kandelaber um 25 Jahre.

Hilfsmittel

Vollzugshilfe Licht des BAFU

Beleuchtungsratgeber für Gemeinden, Sanierung von Kandelabern: 

Ratgeber / IG Strassenlicht 

Fachgruppe Licht­masten und Leucht­entragwerke 

(Richtlinien und Merkblätter)

Lichtwissen (Kauf-Ratgeber) 

Gemeinden
Muri bei Bern

Kontakt

Muri bei Bern Muri bei Bern
Bern
Thunstrasse 74
3074 Muri bei Bern
bauverwaltung@muri-guemligen.ch
+41 31 950 54 70
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